Wenn du selbst vom Konflikt betroffen bist – und wie du führen kannst 

Wenn du selbst vom Konflikt betroffen bist – und wie du führen kannst 

Selbstführung
Katrin Fritsche
Ein Beitrag von: Katrin Fritsche
Datum: 01.03.2025
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Manchmal reicht ein einziger Satz – und du spürst sofort:
Er zielt nicht auf die Sache, sondern auf dich.
Auf deine Rolle. Auf deine Art zu führen.

Wenn dich solche Momente treffen oder verunsichern, kann dieser Artikel dir helfen:
Er zeigt dir, wie du sie innerlich einordnen kannst –
und wie du wieder in deine Klarheit kommst, ohne härter zu werden, als du sein willst.

Du bekommst drei Impulse zur Selbstklärung.
Sie helfen dir, deine innere Stabilität zurückzugewinnen, deine nächsten Schritte bewusster zu wählen – und Konfliktsituationen künftig souveräner zu führen.

Und wie sich so ein Moment anfühlen kann, zeigt dir eine typische Szene:

Wenn ein Satz dich trifft – und plötzlich persönlich wird 

Du sitzt im Teammeeting. Die Stimmung ist angespannt, aber noch tragbar. Dann sagt eine Mitarbeiterin – direkt und spitzer als nötig:

„Warum fragst du überhaupt? Beim letzten Mal hast du uns ja auch nicht zugehört.“

Der Satz trifft dich sofort.
Nicht fachlich. 
Persönlich.

Ein paar im Raum schauen weg, andere warten ab.
Dir ist klar: 
Das ist kein Beitrag zur Sache. Das ist ein persönlicher Angriff.

Während du durchatmest, schießen dir Gedanken durch den Kopf:
▪️ Ich bemühe mich wirklich, alle einzubeziehen – warum landet das wieder bei mir?
▪️ Wie kläre ich das, ohne mich zu rechtfertigen?
▪️ Wie komme ich da durch, ohne dass die Stimmung kippt?

Innen arbeitet es: Ärger, Unsicherheit.
Und dieser kurze Stich, der zeigt: Das trifft dich mehr, als es sollte.

Genau dieser Moment der Verunsicherung ist vielen Frauen in Führung vertraut.


Warum dich solche Angriffe tiefer berühren, als du willst

Viele Frauen in Führung kennen solche Momente.
Nicht, weil sie unsicher wären.
Sondern weil Angriffe oft genau die Bereiche berühren,
in denen sie selbst hohe Ansprüche an sich haben.

Viele Frauen wollen im Team Halt geben und die Beziehungsebene im Blick behalten – und genau deshalb trifft sie ein persönlicher Angriff oft unmittelbarer.

Ein Teil von dir will sofort klarstellen, was Sache ist.
Ein anderer hält dich zurück, bevor du überhaupt sprichst.

Eines ist jedoch sofort sichtbar:
Du bist nicht außen vor.
Du bist Teil der Situation –
und deine Reaktion setzt den Ton für den weiteren Verlauf.

Genau hier zeigt sich deine Konfliktkompetenz:
nicht in ruhigen Terminen, sondern in Momenten,
in denen du innerlich unruhig wirst
und alle auf deine nächste Reaktion schauen.

Und genau deshalb lohnt es sich, das, was in solchen Situationen passiert, Schritt für Schritt zu sortieren.

Wenn wir persönlich angegriffen werden, beschäftigt uns das oft länger, als uns lieb ist.

Du nimmst die Spannung mit – in deinen Körper, in deine Gedanken, manchmal weiter, als du möchtest.

Genau hier beginnt die eigentliche Klärung: nicht im Meeting, sondern danach.

Die folgenden Schritte helfen dir, die Situation so zu sortieren,
dass du innere Klarheit gewinnst – und beim nächsten Mal stabiler stehst.


Schritt 1 – Sortiere das Außen: Was gehört wirklich zu dir?

Bevor du deine innere Reaktion verstehst, lohnt sich ein Blick auf das Außen: Was davon gehört wirklich in deine Führungsrolle – und was nicht?

Vieles, was dich in solchen Momenten trifft, hat zuerst mit dir zu tun – nicht mit dem Verhalten des Gegenübers.
In diesem Moment weißt du noch nicht, was im Gegenüber wirklich los ist.

Wenn du anschließend sortierst, geht es nicht darum, die „richtige“ Erklärung zu finden, sondern die Bandbreite möglicher Ursachen zu prüfen:
▪️  Liegt hier etwas, das mit deiner Rolle oder Rahmenbedingungen zu tun hat?
▪️  Gibt es ein Thema, das du mit deinem Verhalten beeinflusst hast?
▪️  Oder liegt die Ursache eher beim Gegenüber – Frust, Überlastung oder private Belastungen?

Das sind Hypothesen – nicht mehr.
Du kannst sie nur vorläufig einordnen.

Und genau deshalb lohnt sich die Frage:
„Was gehört zu meiner Verantwortung – und was nicht?“

Was du als Führungskraft verantwortest:
Struktur, Klarheit, Rollen, Prioritäten, Entscheidungsrahmen – und später das Gespräch zur Klärung.
Auch dein Verhalten.

Was nicht in deinem Einflussbereich liegt:
▪️  Motive zu deuten
▪️  Erwartungen und Emotionen des Gegenübers vorherzusagen.

Diese Trennung ist keine Abwehr.
Sie ist 
Führung:
Du schaffst inneren Abstand, damit du wieder klar sehen – und im Gespräch klären kannst, was wirklich zu dir gehört.

Und während du im Außen sortierst, beginnt bereits etwas anderes: deine innere Reaktion.
Genau dort setzt der zweite Schritt an.


Schritt 2 – Verstehe deine innere Reaktion

Während du äußerlich sortierst, was zu dir gehört und was nicht, passiert innen oft etwas gleichzeitig:

Ein Gefühl schießt hoch, der Körper reagiert, ein Gedanke drängt sich vor.
Manchmal nur für Sekunden, manchmal bleibt etwas davon lange danach hängen.

Der Impuls, diese innere Bewegung wegzuschieben, ist verständlich.
Aber genau hier lohnt es sich hinzuschauen.

👉 Denn dein Umgang mit deinem inneren Erleben, entscheidet mit darüber, wie du handelst.
Unbemerkte Reaktionen führen schnell dazu, dass vertraute Verhaltensmuster greifen – und die sind nicht immer hilfreich. Weder für dich noch für die Situation.

Vielleicht hast du gemerkt,
dass dein Blick enger wurde,
dass dein Körper sich anspannt,
oder dass wiederkehrende Gedanken im Kopf auftauchen.

Damit du das für dich nutzen kannst, helfen dir drei Fragen

1. Was genau habe ich in diesem Moment gespürt?
Körperlich, emotional, gedanklich.
2. Was genau hat mich daran getroffen?
Der Ton? die Situation? ein Anspruch an mich selbst
3. Warum berührt mich das?
Welche innere Erwartung oder Grenze wird sichtbar?

Diese Fragen liefern keine fertige Lösung.
Aber sie schaffen
Überblick:
Du erkennst, was dich bewegt –
und kannst daraus ableiten, was du in ähnliche Situationen brauchst, um bewusster und klarer zu handeln.

Wenn du einen Überblick bekommen möchtest, welche Konfliktstile es gibt und wie unterschiedlich Menschen in Spannungssituationen reagieren, findest du eine kompakte Orientierung in meinem Artikel zum Thomas-Kilmann-Modell.

Selbstführung beginnt genau hier:
nicht, indem du deine inneren Reaktionen wegdrückst,
sondern indem du verstehst, was sie dir zeigen –
und wie sie dein Handeln beeinflussen können.

Wenn du verstanden hast, wie äußere Faktoren und deine innere Reaktion zusammenwirken, öffnet sich ein dritter Schritt:
Wie willst du künftig auftreten?


Schritt 3 – Wähle die Haltung, die dich künftig stabil macht

Wenn du innerlich sortiert hast, stellt sich eine weitere Frage:
„Wofür will ich in solchen Momenten stehen?“

Es geht nicht um den perfekten Satz.
Nicht darum, besonders souverän zu wirken.
Sondern um die Haltung, mit der du wieder in einen angespannten Raum gehst –
und die dir Orientierung gibt, bevor du überhaupt sprichst.

Diese Haltung wird zu deiner inneren Linie:
Sie entscheidet, wie du in ähnlichen Situationen künftig auftreten willst – klar, zugewandt oder deutlicher als bisher.

Das kann bedeuten:
▪️ klarer benennen, was nicht stimmt, ohne dich zu rechtfertigen
▪️ Grenzen setzen, wenn jemand verletzend wird
▪️ Verantwortung übernehmen, wenn es angemessen ist
▪️ einen Punkt bewusst stehen lassen, statt ihn auszudiskutieren

Konfliktkompetenz heißt nicht, alles richtig zu machen.
Sie heißt, einen inneren Standpunkt zu haben, bevor du handelst –
damit dein Verhalten nicht aus der Situation heraus entsteht, sondern aus dir.

Und genau diese Klarheit macht dich in angespannten Momenten stabiler – und erlaubt dir später im Gespräch bewusster und wirksamer zu führen.

Und damit verändert sich auch der Moment, in dem dich etwas trifft:
Du gehst nicht mehr unvorbereitet hinein – sondern mit einer bewussten inneren Linie.


Was sich verändert, wenn du so in Spannungen führst

Wenn du äußere Dynamiken klarer einordnest, deine innere Reaktion verstehst und deine Haltung bewusst wählst, verändert sich etwas Grundlegendes in deiner Führung.

Du reagierst weniger aus dem Moment heraus –
und mehr aus deiner inneren Linie.

Das zeigt sich in kleinen, aber wirkungsvollen Veränderungen:
▪️  Gespräche werden klarer und konstruktiver, auch wenn es angespannt ist.
▪️  Du setzt Grenzen früher – ohne Härte, aber mit Klarheit.
▪️  Du übernimmst Verantwortung dort, wo sie wirklich zu dir gehört.
▪️  Du kommst schneller zurück in deine Präsenz, wenn dich etwas trifft.

Und dein Team spürt diese Veränderung:
▪️  weniger Unsicherheit
▪️  weniger Eskalation
▪️  mehr Orientierung
▪️  mehr Vertrauen

Du führst nicht härter, sondern bewusster.
Nicht lautstark, sondern klarer.
Nicht reaktiver, sondern ausgerichtet.

Genau das ist der Punkt, an dem Spannungen nicht mehr verunsichern,
sondern zu einem Raum werden, in dem du wirksam sein kannst.


Katrin Fritsche

Fazit: Führen heißt auch, mit sich selbst klar zu sein

Am Ende geht es nicht darum, Angriffe zu vermeiden.
Sondern darum, ihnen anders zu begegnen.

Wenn du im Außen sortierst, im Innen verstehst und deine Haltung bewusst wählst,
verändert sich der Moment, in dem dich etwas trifft:

Er reißt dich nicht mehr aus der Bahn – er erinnert dich daran, worauf du dich verlassen kannst.

So führst du nicht trotz solcher Situationen.
Sondern gerade darin.

Wenn du diese innere Klarheit weiter stärken möchtest, begleite ich dich in meinem 1:1-Coaching gern dabei.


Weiterführende Impulse für Dich

👉 Schwelende Konflikte frühzeitig erkennen und klären – Wie du frühzeitig reagierst, bevor es eskaliert.

👉Konflikte gehören zur Führung – Wie du in schwierigen Situationen Verantwortung übernimmst, Haltung zeigst – und klar bleibst, auch wenn’s ungemütlich wird.

👉 Die Harvard Methode – Als Führungskraft Teamkonflikte klären – mit Struktur statt Eskalation



Über Katrin Fritsche

Überall dort, wo Menschen zusammenarbeiten, entsteht Spannung – und genau dort beginnt Führung

Heute arbeite ich als Business Coach und Mediatorin vor allem mit Frauen, die Verantwortung tragen und wissen, dass Konfliktkompetenz für ihre nächsten Karriereschritte entscheidend wird.

Mich interessieren die Momente, in denen Führung herausgefordert wird – und Frauen Klarheit brauchen, um sicher zu handeln, sichtbar zu werden und ihrer Linie treu zu bleiben.

→ Mehr über mich und und zu meiner Arbeitsweise